(Un)Lösbare Probleme?

Transkript: Attraktivität der beruflichen Ausbildung in der Krise?

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Schönen guten Morgen an Sie alle, die Sie sich zugeschaltet haben.
Und herzlich willkommen zur 12.
Folge unserer Reihe Unlösbare Probleme, lösbare Probleme.
Die heutige Veranstaltung ist zugleich der Abschluss dieser Reihe,
die seit Mitte September lief.
Und zu der viele Forschende des WZB, aber auch Gäste aus der Praxis beigetragen haben.
Wir freuen uns heute, Heike Solger als Vortragende bei uns zu haben.
Heike Säuger ist Direktorin am WZB und leitet die Abteilung Ausbildung und Arbeitsmarkt.
Um Bildung, genauer gesagt die Berufsausbildung, soll es auch heute gehen.
Am Ende dieser Woche mit für Deutschland ernüchternden PISA-Ergebnissen.
Heike Säuger fragt, hat die berufliche Ausbildung an Attraktivität verloren? Ist sie in der Krise?
Und im Mittelpunkt steht eine oft vernachlässigte Gruppe, die Jugendlichen ohne Berufsausbildung.
In Deutschland ist es immerhin jeder sechste bis siebte junge Mensch.
Bevor wir starten noch ein Gruß und ein organisatorischer Hinweis.
Der Gruß kommt von unserer Präsidentin Jutta Almlinger, die sehr gerne an meiner
Stelle Sie hier begrüßt hätte.
Sie ist aber im Moment auf Dienstreise, auf dem Weg zu einem Termin.
Sie ist aber zugeschaltet und hört uns also zu. Hallo Frau Algenbier.
Und damit genug der Vorredner und rein ins Thema und ich übergebe sehr gerne
an Sie, liebe Frau Sorger.
Ja, schönen guten Tag auch meinerseits, zum guten Morgen könnte man ja noch was sagen.
Wenn Sie die Zeitung heutzutage aufmachen oder in die Online-Medien gehen,
dann lesen Sie zunehmend häufiger die Frage von betrieben?
Wie sollen wir unsere Fachkräfte sichern?
Es wird postuliert, dass die berufliche Ausbildung in der Krise ist.
Und deshalb wollen wir uns heute dieser Frage zuwenden. Ist das eigentlich so?
Und was bedeutet es, Krise in der Ausbildung?
Und dazu wollen wir als erstes uns anschauen,
wie sehen dann eigentlich die Entwicklungen am Ausbildungsmarkt aus,
sodass wir uns auch darauf basierend ein Bild davon machen können,
was es heißt, ob die Ausbildungsattraktivität in der Krise ist.
Zunächst, wir haben abnehmende Jahrgangsstärken. Damit haben sowohl die Ausbildung
als auch die Universitäten zu tun.
Wir haben gleichzeitig steigende Bildungsaspirationen von jungen Leuten.
Und ich habe Ihnen hier eine Grafik mitgebracht, die von 2005 bis 2020 geht.
Und wenn Sie sich die dunkelblauen Balken anschauen, dann sind das die jungen
Leute, die in dem jeweiligen Jahr eine duale Ausbildung begonnen haben.
Und was Sie sehen ist, dass dieser Anteil über die Zeit etwas zurückgeht.
Wenn Sie sich im Vergleich dazu die dunkleren Orangenweifen anschauen,
dann sehen Sie die jungen Leute, die in diesen Jahren ein Studium aufgenommen haben.
Und was Sie sehen ist, dass während in 2005 noch deutlich mehr junge Leute mit
einer Berufsausbildung begonnen haben,
sind es im Jahr 2020 nahezu genauso
viele junge Leute, die eine Ausbildung begonnen haben, wie ein Studium.
Nun könnte man sagen, das ist doch ein klarer Indikator dafür,
dass die berufliche Ausbildung an Attraktivität verloren hat. So einfach ist es nicht.
Und selbst wenn es so wäre, müsste man feststellen, dass jetzt junge Leute vom
Studium abzubringen nicht die Lösung wäre.
Denn eines der Versprechen Unsere Gesellschaft ist, dass junge Leute die Ausbildung
ausgreifen können sollen, die sie gerne wollen.
Und wenn die jungen Leute studieren wollen und deren Eltern das wollen,
dann sollte man das auch zulassen.
Und wir wissen auch aus der Forschung, wenn wir das beschränken,
dann wird es eine, wird die Sphäre, die soziale Sphäre, nämlich wer zum Studium
geht und wer in die Ausbildung geht,
sich noch weiter vergrößern, weil es werden eher die jungen Leute sein,
deren Eltern kein Studium haben, die wir dann in eine Ausbildung bringen,
statt ihnen das Studium zu ermöglichen. Also...
Die Umkehrung steigender Bildungsaspiration wird unser Problem,
wenn wir dann an Farben, nicht lösen.
Wir sehen das auch hier.
Insgesamt ist die Ausbildung oder die gemeldete Bewerbung für die duale Ausbildung zurückgegangen.
Und dies insbesondere bei jungen Leuten, die eine allgemeine Hochschulreife haben.
Nun gleichzeitig klagen Unternehmen, dass sie zunehmend ihre Ausbildungsplätze
nicht mehr besetzen können.
Und Sie sehen hier die Zahlen, die sich in der Tat deutlich erhöht haben,
insbesondere seit der Mitte der 2000er Jahre.
Aber auch hier stellt sich die Frage, ist dies ein Zeichen dafür,
dass wir zu wenig Bewerbungen haben.
Und dazu habe ich Ihnen die nächste Grafik mitgebracht. Die grüne Linie zeigt Ihnen,
wie sich seit 1995 das Angebot an Ausbildungsplätzen, die Nachfrage an Ausbildungsplätzen verändert hat.
Also das sind die gemeldeten Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen.
Die braune Linie sind die Ausbildungsplätze, die die Unternehmen zur Verfügung stellen.
Und Sie sehen, ein Stück weit, wenn die grüne Linie, also die Nachfrage,
oberhalb der braunen Linie war, dann konnten die Ausbildungsplätze gut besetzt werden.
Wenn die grüne Linie unterhalb der braunen Linie, also unterhalb des Angebots
war, dann steigen auch die Zahlen der unbesetzten Ausbildungsplätze.
Was wir in dieser Grafik aber auch sehen, wir haben ja nicht nur Ausbildung
und Studium, sondern wir haben auch noch einen großen Bereich im beruflichen Bildungssystem,
der sich den Übergangssektor oder das Übergangssystem bezeichnet.
Und das sind eine Vielfalt von berufsvorbereitenden Maßnahmen.
Das sind also Maßnahmen, in denen Jugendliche gehen, die entweder keinen Ausbildungsplatz
finden, aber es in dem Bundesland eine Berufsschulpflicht gibt,
die damit also ihre Berufsschulpflicht abgelten,
oder auch Jugendliche, die dort einen Schulabschluss nachholen,
wo versucht wird, Jugendliche mit Betrieben in Verbindung zu bringen,
sodass dann der Einstieg in eine Ausbildung gelingt und so weiter.
Und was wir hier sehen ist, ja, wir haben steigende Zahlen an unbesetzten Ausbildungsplätzen,
aber wir haben gleichzeitig auch eine Vielzahl an jungen Leuten.
Auch im Jahr 21 über 200.000 junge Leute, die eigentlich eine Ausbildung wollen,
aber nicht den Übergang in die Ausbildung geschafft haben.
Von daher relativiert sich schon einerseits die Frage, was hat das eigentlich
mit den unbesetzten Ausbildungsplätzen zu tun und zum anderen auch die Frage,
ob die Attraktivität denn wirklich nachgelassen hat.
Und wenn wir uns mal genauer anschauen, was in welchen Berufen vor allem unbesetzte
Ausbildungsplätze sind,
dann sehen Sie hier, das sind Fachverkäufer im Lebensmittelhandel,
Restaurantfachmann, Fachfrau, Fleischer, Klempner.
Kurier, Express-Postdienstleister, Baugerufe etc.
Und was Sie sehen, ist, dass einerseits die Aus... Was ich Ihnen ja mitgeteilt
hatte, dass die Ausbildungsbewerbungen insbesondere bei Hochschulabsolventen,
bei jenen mit einer Hochschulzugangsberechtigung nachgelassen haben.
Wenn Sie aber auf diese Berufe schauen, dann sehen Sie, das sind keine Berufe,
keine sogenannten Abiturientenberufe, also Berufe, die von Abiturienten performiert werden.
Das sind eher Berufe wie Webdesign, IT-Berufe.
Von daher relativiert sich das schon, ob wir jetzt, wenn wir mehr Jugendliche
statt ins Studium in die Ausbildung bringen würden,
diese Berufe dort, wo Ausbildungsplätze ungesetzt bleiben, denn wirklich füllen würden.
Und deshalb schauen wir uns mal als nächstes an, wo landen eigentlich Jugendliche
in Abhängigkeit von ihrem Schulabschluss im beruflichen Bildungssystem?
Und das habe ich Ihnen hier mitgebracht. Ich erkläre Ihnen das kurz,
was die unterschiedlichen Farben bedeuten. Also das Blaue.
Der blaue Balken ist der Anteil der Jugendlichen mit dem entsprechenden Abschluss, den wir uns anschauen.
Also hier bei den Jugendlichen ohne Schulabschluss landen nur 12 Prozent,
beginnt nur 12 Prozent einer Ausbildung.
Zwei Prozent einen sogenannten Schulberuf. Schulberufe sind vor allem im pädagogischen
Bereich Gesundheitsfachberufe.
Und der grüne Teil des Balkens ist der Übergangssektor oder das Übergangssystem
das, was in der Grafik vorher meine roten Balken waren.
Und was Sie sehen, ist, dass es jungen Leuten mit Fachhochschulreife und mittleren
Schulabschluss relativ gut gelingt,
ins berufliche Bildungssystem, in Ausbildung oder sogenannte schulische Ausbildungsberufe zu kommen.
Was Sie aber auch sehen, für Jugendliche, die ohne Schulabschluss sind oder
heutzutage nennt man es den ersten Schulabschluss, früher haben wir Hauptschulabschluss
gesagt, also diejenigen, die nur einen Hauptschulabschluss haben,
die landen vor allem im Übergangssystem.
Und was wir auch sehen ist, dass sich das eigentlich kaum ändert.
Ich zeige Ihnen hier nochmal die Grafik, die wir eben gesehen haben mit den
unbesetzten Stellen für die Jahre, die hier auch an dieser Grafik abgetragen
sind, also 2005, 2016, 2020.
Und was wir sehen, ganz unabhängig davon, ob es am Ausbildungsmarkt eng ist
oder nicht, für diese Jugendlichen spielt das keine Rolle.
Von daher kann man schon sagen, dass
wir eigentlich ein riesen ungenutztes Potenzial an jungen Leuten haben,
die sich für Ausbildung interessieren und die dennoch im jungen Erwachsenenalter
ohne Ausbildung bleiben und ich habe Ihnen hier mal die Zahlen mitgebracht und
auch da sehen Sie ganz unabhängig davon wie der Ausbildungsmaß ist.
Ändert sich an dieser Zahl so gut wie gar nichts.
Also im Jahr 2009 hatten wir 2,2 Millionen junger Leute im Alter zwischen 20
und 34 Jahren, die keine Berufsausbildung oder ein Studium hatten.
Und im Jahr 2020 haben wir immer noch 2,3 Millionen.
Und wenn man sich das Potenzial anschaut, oder wenn Sie sich das mal überlegen
und auf der Straße langgehen und diese Alterskohorte sehen, dann müssen Sie sich vorstellen,
dass jede sechste bis siebte junge Mensch, der Ihnen begegnet,
langfristig ohne Berufsausbildung bleibt.
Daher möchte ich mich in meinem Vortrag jetzt im Folgenden damit beschäftigen,
wer diese jungen Leute eigentlich sind, die ohne Berufsausbildung bleiben und
welche ungenannten oder unentdeckten Potenziale es in dieser Gruppe für die Ausbildung gibt.
Und wir erinnern sich, wir halten im Kopf, die Berufe, über die wir reden,
das sind Verkäuferin, Fleischer, Klempner, Rezeptor.
Daher zwei Fragen.
Wer bleibt ohne Ausbildung und warum?
Und die zweite Frage, wenn wir denn so viele junge Leute erstmal in berufsvorbereitende
Maßnahmen schicken, wie sinnvoll ist das eigentlich?
Ist es sinnvoll, die abzuschaffen und zu sagen, wir alle müssen sofort in die
Lehre oder gibt es durchaus auch Anzeichen dafür,
dass es sinnvoll sein kann, hier Angebote zu machen?
Das als Erinnerung, das ist die gleiche Grafik, die Sie eben gesehen haben.
Und wie gesagt, noch mal die Zahl in Erinnerung rufen. Wir reden über mehr als 200.000 Jugendliche.
Nun, wie sieht das aus? Wollen diese jungen Leute, die ohne Schulabschluss und
Hauptschulabschluss sind, überhaupt eine Ausbildung machen?
Also hängt es daran, dass sie eine Ausbildung machen wollen,
aber nicht können, dass sie so stark in berufsvorbereitenden Maßnahmen landen
oder wollen sie das gar nicht und setzen da in Anführungsstrichen ihre Berufsdurchsicht ab.
Dazu haben wir Daten des nationalen Bildungspanels ausgewertet.
Hier unten habe ich Ihnen Zahlen mitgebracht. Das sind junge Leute oder Schüler
und Schülerinnen der 9. und 10.
Klasse, die gefragt werden, ob sie eine Ausbildung machen wollen und dann,
wenn sie die Schule verlassen haben, ob sie sich beworben haben.
Und was Sie als erstes sehen ist, dass von den Jugendlichen ohne Schulabschluss
72 Prozent sagen, sie wollen direkt im Anschluss nach der Schule eine Ausbildung machen.
Und bei den Hauptschulabschluss sind es 75 Prozent.
Die fehlenden Prozente zu 100 sind dann eher Antworten wie, ich weiß das noch
nicht genau oder ich will erst in die berufsvorbereitenden Maßnahmen,
um meinen Abschluss zu verbessern, etc.
Aber was wir sehen ist, also daran, dass sie nicht wollen, liegt es nicht,
dass sie in berufsvorbereitenden Maßnahmen landen.
Die Zahl da drunter zeigt Ihnen, ob Sie sich beworben haben.
Und da sehen wir eine deutliche Senkung.
Bei den Jugendlichen ohne Schulabschluss haben sich nur letztlich nur 35 % dann wirklich beworben.
Bei den Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss sind es 65 %. Nehmen Sie dies
jedoch nicht als Anzeichen dafür, dass im letzten Schuljahr oder im letzten
halben Jahr der Wunsch nach einer Ausbildung abgenommen hat.
Was wir uns vergegenwärtigen müssen, ist, dass in dieser Zeit die Jugendlichen.
Zu den Berufsagenturen, zu den Jugendberufsagenturen gehen.
Und was wir dort auch aus Studien wissen, ist, dass insbesondere Jugendliche
ohne Schulabschluss und mit
Hauptschulabschluss von den dortigen Beraterinnen und Beratern doch dazu,
ich will nicht sagen gedrängt, aber eben doch empfohlen wird,
zunächst eine berufsvorbereitende Maßnahme zu machen.
Da ihre Schulabschlüsse nicht ausreichend sind.
Nun, im nächsten Schritt haben wir weiter ausgewertet, ob das dann wirklich so ist.
Also sind die Jugendlichen mit niedrigen Schulabschlüssen wirklich diejenigen,
die zu wenig Kompetenz haben im Vergleich zu denjenigen mit einem mittleren
Schulabschluss oder einem Abitur?
Haben sie möglicherweise Probleme
im sozialen Bereich, in den sogenannten nichtkognitiven Fähigkeiten?
Und das zeige ich Ihnen als Nächstes. Wir sehen hier die Mathe- und Lesekompetenz
der Jugendlichen in der neunten Klasse.
Danach, welchen Abschluss sie letztlich erreicht haben.
Und wir sehen, die durchgezogene Linie sind die Jugendlichen ohne Schulabschluss,
die von einer Regelschule kommen, also Förderschüler sind dort nicht enthalten.
Die zweite Linie sind die Hauptschuljenigen mit einem Hauptschulabschluss und
dann als Vergleich diejenigen mit einem mittleren Schulabschluss,
wo wir wissen, dass sie relativ gut in die Ausbildung kommen.
Und was wir sehen ist, dass diese.
Kompetenzverteilung sich stark überlassen. Das heißt,
es gibt Bereiche, in denen die jungen Leute ohne Schulabschluss oder mit Maßklima
Hauptschulabschluss zumindest im Mittel genauso gut sind wie jene mit mittlerem Schulabschluss.
Das sehen Sie in der... in dem Grauen.
Und Sie sehen auch, dass in dieser Gruppe der jungen Leute ohne Schulabschluss
und mit Hauptschulabschluss, es sogar einen nicht unerheblichen Teil gibt,
der besser ist als Jugendliche mit einem mittleren Schulabschluss,
also über dem Mittelwert dieser Gruppe liegen.
Was wir daraus mitnehmen ist, dass unsere Schulabschlüsse nur teilweise auskommt
über die Kompetenzen der jungen Leute mithalten.
Nun könnten Sie sagen, das sind ja nicht die Kompetenzen, sondern das ist eher,
wie die jungen Leute sich verhalten.
Und dass sie vielleicht nicht so gewissenhaft sind. Oder dass das prosoziale
Verhalten ein Problem ist.
Und auch das haben wir in dieser Studie erfragt. Und das sehen Sie hier.
Also bei der Gewissenhaftigkeit ist das zu sehen wieder große Überlappung.
Also kaum Unterschiede zwischen den Gruppen.
Und Sie sehen das auch bei dem prosozialen Verhalten.
Im Prinzip keine Unterschiede zwischen den jungen Leuten mit mittleren Abschluss
im Vergleich zu denen, die wir als gering qualifizierte Jugendliche bezeichnen.
Nun, wenn wir uns dann anschauen, wer einen Ausbildungsplatz bekommt,
und dazu haben wir Berechnungen gemacht,
und da kann man sich ja fragen, welche Rolle spielen eigentlich Kompetenzen
und soziale Kompetenzen im Vergleich zu den Schulabschlüssen,
zu dem Schultyp, von dem die jungen Leute kommen, und zu den Abschlussnoten.
Und da sehen wir, dass bei den Jugendlichen ohne Schulabschluss die Unterschiede
in den Kompetenzen und sozialen Kompetenzen keine Rolle spielen.
Das heißt, dass...
Junge Leute, die keinen Schulabschluss haben.
Unabhängig von ihren eigentlichen Kompetenzen die gleichen Ausbildungschancen haben.
Und das ist unterschiedlich im Vergleich zu denen mit einem mittleren Schulabschluss.
Da sehen wir sehr wohl, dass nicht nur der Schulabschluss eine Rolle spielt
und die Abschlussnoten, sondern auch, welche Kompetenzen sie denn tatsächlich haben.
Und das hat was damit zu tun, dass Unternehmen häufig zunächst auf Basis der
schriftlichen Dokumente auswählen und dann eben Schulabschlüsse und Noten als Indikatoren nehmen,
auch sogenannte Verhaltenshinweise der Lehrer und Lehrern.
Und dann unsere jungen Leute ohne Schulabschluss und mit Hauptschulabschluss
es schwer haben, diese Quelle zu übertreiben.
Denn erst im nächsten Schritt können Unternehmen und Betriebe wirklich feststellen,
welche Kompetenzen junge Leute haben.
Und das ist eben der Fall dann bei denjenigen mit mittleren Schulabschluss,
wo dann in der Tat sie zu einem Test, zu Interviews, etc.
Eingeladen werden, wo sich dann sehr wohl Unterschiede in dieser Hinsicht zeigen
und damit auch eine Rolle dafür spielen, welchen Ausbildungsplatz wir haben bekommen.
Von daher lässt sich feststellen, dass es jungen Leuten ohne Schulabschluss
und mit maximaler Hauptschulabschluss schwerfällt,
ihre Ausbildungswünsche in den Zugang zu einem Ausbildungsplatz umzusetzen,
weil sie quasi keinen Fuß in die Tür bekommen.
Nun, ich hatte Ihnen gezeigt, dass diese jungen Leute nicht auf der Straße sitzen,
sondern unser Berufsbildungssystem ihnen dann das Angebot macht,
in eine berufsvorbereitende Maßnahme zu gehen.
Und das ist ein viel diskutiertes Thema.
Es gibt die eine Seite, die sagt, wir sollten das ganze System abschaffen und eher versuchen,
Jugendliche so schnell wie möglich in die Berufsausbildung zu bringen,
in eine Lehre zu bringen.
Es gibt die andere Seite, die sagt, aber die jungen Leute.
Die haben ja so große Defizite, die müssen erst mal in eine berufsvorbereitende Maßnahme.
Dass es die zweite Antwort nicht sein kann, das ist hoffentlich aus meinen bisherigen
Ausführungen deutlich geworden.
Man kann nicht generell sagen, dass junge Leute, die in einer berufsvorbereitenden
Maßnahme sind, nicht die notwendigen Kompetenzen hätten, um eine Berufsausbildung zu machen.
Gleichwohl stellt sich schon die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist,
berufsvorbereitende Maßnahmen generell abzuschaffen und dafür alle sofort in
die Ausbildung zu stecken.
Und auch das haben wir uns angeschaut mit den Daten des Nationalen Bildungskanäls.
Und ich zeige Ihnen hier eine Grafik, ich hatte ja schon gesagt,
das sind ganz unterschiedliche Maßnahmen, die sich hinter diesem Label Ausbildung,
Übergangssystem, Übergangssektor verbinden.
Wir haben Maßnahmen wie berufliche Einstiegsqualifizierung, die sehr stark betrieblich orientiert sind.
Da sind die jungen Leute vier Tage die Woche in einem Betrieb und einen Tag
die Woche in der Berufsschule, insbesondere auch, um ihrer Berufsschulpflicht Rechnung zu tragen.
Und dann haben wir am anderen Ende zweijährige Berufsfachschulen,
die sehr stark schulisch sind, also wo die jungen Leute fast ausschließlich in der Schule sind.
Und die Frage, die wir uns gestellt haben, ist, sind diese Angebote hilfreich,
um dann in eine Ausbildung zu kommen?
Und welche dieser Angebote? Ist es besser, wenn die mehr schulisch sind,
oder ist es besser, wenn sie mehr betrieblich sind, um den jungen Leuten den
Übergang in eine Ausbildung zu ermöglichen?
Und was wir dafür gemacht haben, ist, wir vergleichen junge Leute,
die eine Berufsvorbereitende Maßnahme gemacht haben, mit jungen Leuten,
was wäre mit diesen jungen Leuten gewesen, wenn sie direkt nach der Schule eine
Ausbildung gesucht hätten.
Und ich will Ihnen nicht das... Das kann ich gerne in der Diskussion machen,
wenn Sie daran interessiert sind.
Ich will Ihnen nicht darstellen, wie wir das technisch, statistisch gemacht
haben, sondern Ihnen zeigen, was unsere Befunde sind.
Und ich zeige Ihnen das für die unterschiedlichen Tool-Abschlüsse. Was sehen wir hier?
Wir haben hier Jugendliche, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen haben
und differenzieren danach,
ob sie berufsvorbereitende Maßnahmen gesucht haben, die stark betrieblich sind,
also wo sie mindestens 50 Prozent der Zeit in einem Betrieb waren.
Teilnehmer an berufsvorbereitenden Maßnahmen, die einen höheren Schulabschluss
in dieser Zeit erworben haben und Teilnehmer an diesen Maßnahmen,
wo die Maßnahme weder stark betrieblich war, noch haben wir einen Schulabschluss nachholen können.
Und was wir sehen ist, dass bei denjenigen, die einen höheren Schulabschluss
erworben haben oder in einer stark betrieblichen berufsvorbereitenden Maßnahme
waren, die Ausbildung fanden.
Um 41, also 37 Prozentpunkte erhöht hat.
Das heißt also, junge Leute, die in diesen beiden Maßnahmentypen waren,
hatten um 41 Prozentpunkte einen höheren Anteil in einer Ausbildung zu sein.
Wir sehen, dass auch bei denen, wo das weder noch ist, für junge Leute ohne
Schulabschluss, durchaus noch gewinnbringend war.
Bei ihnen hat sich der Anteil derjenigen, denen der Übergang in eine Ausbildung
gelungen ist, um 22 Prozentpunkte erhöht.
Das ist unter anderem damit verbunden, ich hab denen ja gezeigt,
es gab auch Jugendliche, die noch gar nicht wussten, was sie werden wollten.
Dass wirklich die Berufsorientierung sich verbessert hat, im Sinne von,
dass sie besser wussten, was sie wollten.
Sie sind älter geworden, haben vielleicht auch noch mal Anleitungen bekommen,
wie man sich besser bewirbt.
Und das in der Summe hat das erhielt. Ich habe Ihnen das auch für die jungen Leute mitgebracht,
die eine berufsvorbereitende Maßnahme gemacht haben, aber die Schule mit einem
einfachen Hauptschulabschluss oder mit
einem sogenannten qualifizierenden Hauptschulabschluss verlassen haben.
Und da sehen Sie, dass es auch dort Verbesserungen gibt,
aber die Anteile, die Stärke der Verbesserungen etwas geringer ist,
was eben auch damit zu tun hat, dass wir ja bereits einen Hauptschulabschluss hatten.
Wenn Sie jetzt an die Seite schauen, sehen Sie, habe ich Ihnen drei Zahlen mitgebracht.
Wie groß sind denn die Gruppen, die meine blauen, grünen und gelben Balken vergegenwärtigen?
Dann sehen Sie, dass 26 Prozent derjenigen, die in eine berufsvorbereitende
Maßnahme gehen, in der Tat einen höheren Schulabschluss erwerben konnten.
Dass 32 Prozent in der Gruppe sind,
die in einer stark betrieblichen, berufsvorbereitenden Maßnahme waren und 42
Prozent in einer Maßnahme war,
die weder auf einen Schulabschluss orientiert war, noch stark berufsbereit war.
Also von daher kann man schon festhalten.
Berufsvorbereitende Maßnahmen sind, können durchaus eine sinnvolle Zeit sein.
Was wir auch sehen, ist eben, dass gerade wenn Schulabschlüsse nachgeholt werden,
es jungen Leuten auch eher gelingt, in ihrem Wunschberuf einen Zugang zur Ausbildung zu finden.
Was dann eben auch bedeutet, dass sie diese Ausbildung, das zeigen auch unsere
Analysen, dass sie ihre Ausbildung auch weniger häufig abbrechen,
sondern wirklich auch beenden.
Während eben Analysen zeigen, dass, wenn junge Leute nicht in ihrem Wunschberuf,
in einer Ausbildung kommen, ein deutlich höheres Risiko haben,
diese dann auch vorzeitig zu beenden.
Von daher, wenn es uns gelingen würde, dass mehr dieser jungen Leute einen höheren
Schulabschluss erwerben könnten oder mehr diese berufsvorbereitenden Maßnahmen
wirklich stärker betrieblich wären.
Dann würden wir das Potenzial junger Leute oder nur mit Hauptschulabschluss
für die Ausbildung deutlich besser nutzen können.
Warum, vielleicht noch ein kurzer Satz, warum das mit den stark betrieblichen
berufsvorweisenden Maßnahmen auch eine sinnvolle Strategie ist.
Ich hatte Ihnen ja gesagt, dass es für Jugendliche mit geringen Schulabschlüssen
oft schwierig ist, überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen.
Also dass Betriebe erkennen, dass diese jungen Leute motiviert sind,
dass sie Kompetenzen haben, die in ihren Schulabschlüssen nicht deutlich werden.
Und das ist natürlich dann in einer einjährigen berufsverbreitenden Maßnahme,
die sie in einem Betrieb verbringen,
deutlich leichter oder überhaupt erst erkennbar für Betriebe,
was da eigentlich für ein Potenzial ist und wo vielleicht auch Schwächen sind
dieser jungen Leute, wo sie aber auch erkennen können,
dass sie die gemeinsam lösen können und das sozusagen eine Win-Win-Situation
für den Betrieb, wie viele Jugendlichen es ist, dort gemeinsam mit einer Ausbildung zu beginnen.
Von daher meine letzte Folie, ist die Attraktivität der beruflichen Ausbildung
in der Krise? Meine Antwort ist nein.
Sie ist nicht in der Krise, zumindest nicht, wenn wir darauf schauen,
ob junge Leute an einer Ausbildung interessiert sind,
ob genügend junge Leute an einer Ausbildung interessiert sind und ob diese jungen
Leute, die an einer Ausbildung interessiert sind,
auch in den Bereichen gerade Ausbildung aufnehmen würden,
wo wir heute viele unbesetzte,
Ausbildungsplätze haben.
Von daher kann man zusammenfassen, wir haben zu viele junge Leute,
die ohne Ausbildung bleiben, obwohl sie eine Ausbildung machen wollen.
Betriebe sortieren hier gerade junge Leute mit niedrigen Schulabschlüssen zu
stark aus und übersehen deren große Heterogenität.
Und wir sehen auch, dass versachlich vielleicht auch ein bisschen die Diskussionen
um die berufsvorbereitenden Maßnahmen... Berufsvorbereitende Maßnahmen können Brücken bauen.
Und zwar sowohl für Jugendliche wie für Betriebe.
Die sind insbesondere dann sinnvoll, wenn sie den Jugendlichen Zeit geben und
gute Bedingungen geben, um ihre Schulabschlüsse zu verbessern oder eben auch
ihre Verbindungen zu bekriegen.
Und damit mein allerletzter Satz. Ich glaube, wenn wir uns weniger darauf konzentrieren,
warum so viele junge Leute ein Studium beginnen wollen und diese motivieren
wollen, doch nun zurück in eine Ausbildung zu gehen,
sollten wir uns eher auf die 2,3 Millionen jungen Leute konzentrieren,
die ohne Berufsausbildung ihr Berufsleben bestreiten müssen.
Und wenn wir uns auf diese jungen Leute konzentrieren, dann helfen wir den Jugendlichen,
helfen den Betrieben und tragen damit letztlich auch den gesellschaftlichen
Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ein.
Vielen Dank und damit freue ich mich auf Ihre Fragen.
Vielen Dank, auch von mir Frau Solger. Ich habe gleich eine erste Frage im Chat.
Die kommt von Mirko Wessling vom Zentralverband des Deutschen Handwerks.
NEPS Befunde zu Kompetenzen sind aus dem Jahr 2017.
Die Frage ist, wie bewerten Sie diese vor dem Hintergrund der aktuellen PISA-IQB-Ergebnisse?
Ja, mit der Frage habe ich gerechnet. Das ist auch eine vollkommen berechtigte Frage.
Aber meine erste Antwort ist, wir haben wahrscheinlich generell ein Kompetenz-
oder werden zunehmend ein Kompetenzproblem haben.
Meine zweite Antwort auf die Frage ist, dass das aber nicht nur junge Leute
mit niedrigen Schulabschlüssen betrifft, sondern dann eben auch die ganze Breite.
Denn wir wissen aus der Forschung, dass Schulabschlüsse und Kompetenzen,
Fachkompetenzen zwar korrelieren, aber weit entfernt von einem perfekten Zusammenhang.
Und von daher wäre meine Ausführung immer noch korrekt, dass wir unter den jungen
Leuten, die niedrigere Schulabschlüsse haben, Kompetenzen übersehen,
die sie haben, wenn wir nur nach den Schulabschlüssen gehen.
Und vielleicht noch ein zweiter Hinweis dazu, Ich glaube, dass wir.
Jetzt auch vor dem Hintergrund dieser Befunde, eher eine Diskussion dafür brauchen,
wie wir nicht nur zu sagen, also die müssen ja die Kompetenzen,
natürlich sollten sie die Kompetenzen aus der Schule mitbringen in die Ausbildung, in das Studium,
aber dann verlieren wir eben jetzt doch viele Leute der jetzt ausscheidenden,
Schulabschlussgeneration und wir bräuchten, glaube ich, eher eine Diskussion darüber,
was wir im Ausbildungssystem und an den Universitäten tun können, damit diese,
Kompetenzrückstände aufgeholt werden, ohne dass wir den jungen Leuten den Zugang
zur Ausbildung oder zum Studium verwehren, sondern wir müssen vielleicht darüber
reden, was sind zusätzliche Angebote,
müssen wir Ausbildung und Studium verlängern, weil wir Vorphasen einbauen müssen.
Ich glaube, das ist ein Problem, das nicht nur für die Ausbildung zutrifft.
Vielen Dank. Fragen sehe ich jetzt keine.
Ich habe selber eine, die ich, Frau Kogan auch noch, eine kurze,
weil ich mich in dem Thema selber gar nicht auskenne.
Die berufsvorbereitenden Maßnahmen sind ja eigentlich Sachen der Kommunen,
richtig? Und wenn Sie jetzt sagen, das müsste eigentlich noch mal besser strukturiert
werden, vor allem die, die so weder noch anbieten,
wem sagt man sowas? Gibt es auch nationale Bemühungen, so etwas noch einmal
strukturierter anzugehen? Also.
In der Tat, dafür sind die Länder zuständig, weil das ist ja an den Berufsschulen,
und für die Berufsschulen sind die Länder zuständig.
Ich glaube, was sinnvoll wäre, wäre eben wirklich sehr viel genauer zu schauen
und wir wissen auch mehr aus der Forschung inzwischen und auch aus Begleitstudien,
welche Maßnahmen funktionieren und bringen einen hohen Übergangsraten und welche Maßnahmen eher nicht.
Wir haben so ein bisschen so ein Ressourcen-Dilemma, weil wenn Sie einmal so
einen Stock an Maßnahmen aufgebaut haben, dann ist es auch schwierig, den wieder abzubauen.
Und wir haben natürlich das Problem, wenn die jungen Leute unterbringen müssen,
ich sage das mal so, dann müssen sie im Zweifelsfall an manchen Stellen das
nehmen, wo noch Platz ist.
Von daher würde ich mir in der Tat, würde es jetzt weniger darum gehen,
nur zu sagen, das ist alles, das taugt alles nichts, sondern sehr viel stärker
wirklich in eine Diskussion zu gehen,
welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll und die Programme sollten wir auch behalten
und dort sollten wir auch Ressourcen reinstecken und andere Maßnahmen wirklich zurückzufahren.
Aber das ist wirklich in der Verantwortung der Länder und da müssen auch die
Länder, da fließt ja viel Geld rein, müssen auch die Länder sehr viel stärker strukturieren.
Ja, hallo, danke Heike für Das ist ein sehr anregender Vortrag.
Du weißt wahrscheinlich schon bereits, welche Frage ich stellen werde.
Mich hat ein bisschen gewundert, dass die Frage des Migrationshintergrunds gar
nicht vorkam im Vortrag, obwohl wir ganz genau wissen,
dass insbesondere Zugewanderte oder Kinder der Zugewanderten oder Nachkommen
der Zugewanderten mit geringeren Anteilen an beruflicher Ausbildung teilnehmen.
Einerseits, weil sie tendenziell hohe Aspirationen haben und eher sich an den
akademischen Zweigen interessiert sind.
Oder wenn dann schon unberufliche Ausbildung geht, stärker in den schulischen
beruflichen Ausbildungen vertreten.
Aber da ist natürlich die Frage, wie kann man Jugendliche mit Migrationshintergrund
stärker zur Ausbildung bewegen?
Würden dann Informationen, Informationskampagnen helfen? beziehungsweise sind
es diejenigen, die sich gar nicht bewerben, die Person mit Migrationshintergrund,
weil sie nicht genau wissen, wie man sich bewirbt.
Und zweitens natürlich die Frage der Diskriminierung.
Inwiefern sortieren die Betriebe die Bewerberinnen mit offensichtlichen Signalen
ihrer Migrationshintergrundbewerbung schneller raus?
Und dann sollen sie dann, Ja, so sind sie dann selber schuld,
dass denen ein bisschen Werber fehlen.
Ja, ja, vielen Dank. Das war mein drittes, war eigentlich mein geplanter dritter Teil des Vortrags.
Dann habe ich gemerkt, das wird einfach zu lang.
Insofern danke ich dir für die Frage, Irina.
Zwei Dinge. Das eine ist, was wir durchaus sehen, ist, dass wenn junge Leute
sich bewerben mit Migrationshintergrund, auch gerade zugewandert,
also wir haben dazu auch Studien gemacht, wir haben auch experimentelle Studien gemacht,
dann sehen wir ganz deutlich Diskriminierung, aber Diskriminierung auch im Sinne
von Sprachvoraussetzungen.
Und Bleibewahrscheinlichkeit. Also in Abhängigkeit davon, warum Unternehmen ausbilden.
Man kann im Prinzip zwei Typen unterscheiden.
Das eine sind die Betriebe, die ausbilden, weil das eine Investition in ihre
Zukunft ist, also praktisch Fachkräfte für die Zukunft.
Und wir haben so ein sogenanntes Produktionsmodell, wo das Ausbildungsbetriebe
sind, die über ihren Bedarf ausbilden,
also alle drei Jahre praktisch neue Personenausbildende einstellen und die jungen
Leute sehr stark in den unmittelbaren Produktionsprozess einbeziehen.
Also alle kennen das sicherlich von Friseuren und Friseurens.
Das ist eher so ein Produktionsmodell.
Und was wir sehen, dass die Diskriminierung interessanterweise nach Sprache-
und Leibewahrscheinlichkeiten bei denen mit dem Investitionsmodell höher ist,
weil eben dann die Frage ist, ja, dann investieren wir und dann bleiben die
nicht und so weiter und bei dem Produktionsmodell man da weniger diese Bedenken hat,
weil die müssen ja in Anführungsstrichen nur drei,
Aber das ist natürlich problematisch, weil ich meine, wer weiß,
wie lange die jungen Leute bleiben.
Das ist ja auch eine Phase, wo man eine Familie gründet etc.
Das Zweite, was du genannt hast, ist mit den Bewerbungen, also ob das überhaupt
für die attraktiv ist oder ob sie nicht eher studieren wollen.
Ich meine, das hat man bei den syrischen Flüchtlingen sehr deutlich gesehen,
die eben aus einem Bildungssystem kommen,
wo eigentlich Blue-Color-Jobs, also schon Engineering, problematisch ist,
wenn man nicht im weißen Kittel durch die Fabrik geht und eben auch zu Anfang
nicht verstanden haben.
Warum soll ich denn eine Ausbildung auf dem Bau machen und dort wenig Ausbildungsvergütung
kriegen, wenn ich als Ungelernte auch auf dem Bau arbeiten kann,
nicht dasselbe machen kann, aber doch.
Ziemlich viel machen kann und einen deutlich höheren Lohn kriegt und das hat sich gewandelt.
Also natürlich ist es, und das ist deine Frage der Information,
dass man natürlich, dass sich schon auch über die Zeit mehr mitbekommen haben,
was es eigentlich heißt, eine
Ausbildung zu haben, welche Karrierewege einem das auch eröffnen kann.
Und insofern glaube ich, muss man an beiden jungen Leuten mit Migrationshintergrund beibehalten.
Dann haben wir die dritte Gruppe, das sind natürlich junge Leute mit Zuwanderungsgeschichte,
die hier aufgewachsen sind, deren Eltern zum Teil von hier aufgewachsen sind.
Und da haben wir, glaube ich, so einen Mix aus beiden.
Also wir haben einerseits, dass bei vielen Studien schon auch eine starke Diskriminierung qua Namen,
also dass dann eben nicht nur weil der Schulabschluss fehlt,
sondern auch weil der Name das suggeriert, dass es sich hier um einen jungen
Menschen mit Migrationshintergrund handelt.
Aber auch die Ernüchterung, dass Eltern eben denken, ihre Kinder könnten alle
was viel Besseres werden als sie und studieren und dann am Ende der Schulzeit feststellen,
dass mit den Schulabschlüssen, die ihre Kinder machen, das gar nicht möglich ist.
Und auch da würde ich sagen, könnten wir eigentlich was tun,
weil zum Teil gibt es da ja Potenziale und es gibt ja auch im beruflichen Bildungssystem,
wie mit den beruflichen Gymnasien, Möglichkeiten, dann doch noch diese Bildungsaspiration umzusetzen.
Und auch da wäre, glaube ich, mehr Führung und Guidance, Unterstützung ein guter Weg.
Vielen Dank. Ich habe noch eine Frage von Gütter Almendinger.
Sie fragt, es wird zunehmend die Akademisierung von Ausbildungsberufen gefordert, Pflege zum Beispiel.
Was wären die Auswirkungen auf diese Gruppe Jugendlicher?
Das ist eine interessante Frage, weil dazu haben wir im Wissenschaftsrat gerade
ein Papier veröffentlicht, Parteiakademisierung von den Gesundheitsfachberufen.
Da muss man einfach zweierlei verstehen. Das eine ist, dass viele junge Leute,
die heutzutage diese Berufe ergreifen, also Pflegeberufe im Sinne von Therapeuten,
Physiotherapeuten,
auch höhere Ausbildungen bei Krankenschwestern, die haben heutzutage schon ein Abitur.
Das ist also nichts, wo man jungen Leuten den Zugang zu diesen Berufen verwehrt,
wenn man sie denn akademisiert.
Das zweite, was wir sehen, ist, dass wir zunehmend Probleme haben,
auch in diesen Berufen ausreichend junge Leute für die Ausbildung zu gewinnen,
weil wenn man dann mehr als Krankenschwester will, dann muss man eigentlich
ein Studium anschließen.
Es fehlen sozusagen an der Universität die weiteren Karrierewege.
Das heißt aber auch, dass selbst junge Leute, die eigentlich gar nicht Arzt
werden wollen, sondern weiter in der Pflege oder in der Therapie bleiben wollen,
dann, wenn sie mehr wollen, eigentlich raus.
Und von daher ist es auch wichtig, dass wir mehr an den Universitäten in diesen
Bereichen haben, um diese jungen Leute weiter in der Pflege aufzuhaben und nicht
aus der Pflege letztlich dann rausgenommen.
Der dritte Punkt ist, dass international sind das alles Berufe, die ein Studium haben.
Das heißt, wenn wir also Migration haben...
Und die da attraktiv sein wollen, dann müssen wir auch in Deutschland diese
Art von Positionen haben,
wo man eben Pflege- und Therapieberufe nicht nur auf dem Berufsausbildungsniveau,
sondern auch auf dem Universitätsniveau hat,
um dann eben auch für ausländische Kräfte attraktiv zu sein.
Oder damit sind wir wieder bei unserem Thema Migration.
Also viele der Flüchtlinge jetzt aus der Ukraine, der jungen Frauen und Mütter,
die gekommen sind, kommen aus diesen Bereichen, sind Ärzte etc.
Und werden abgespucht.
Und der dritte Punkt ist.
Das ist ja ein stark frauendominierter Bereich, also noch wenig attraktiv für junge Männer.
Und die Idee ist natürlich schon auch, dass man mit einem akademischen,
mit akademischen Möglichkeiten vielleicht das auch für eine breitere Gruppe
innerhalb der jungen Leute attraktiv macht.
Also von daher, glaube ich, ist es keine Konkurrenz zur Berufsausbildung.
Wir reden ja nicht von einer Vollakademisierung, sondern von einer Teilakademisierung.
Alles klar. Ich habe noch eine Frage, die direkt an mich gestellt worden ist,
nämlich wie man die aktuelle Lage, die sich ja über Jahrzehnte entwickelt hat,
eigentlich rückblickend bewertet.
Hat man das Problem nicht ernst genommen oder haben frühere Maßnahmen nicht gewirkt?
Ja,
das ist schwierig zu beantworten, weil es eben auch so eine Summe unterschiedlicher Dinge ist.
Natürlich ist, ich sag mal so, das zeigt sich schon auch, dass in den Corona-Jahren
natürlich auch der Übergang erschwert war.
Also wir hatten weniger Berufsmessen und Messen, also sind auch Wege,
wie junge Leute sich für die Berufsausbildung orientieren und Betriebe auch,
junge Leute rekrutieren.
Wir sehen, wir hatten eingangs die Pisa-Ergebnisse.
Wir sehen seit Jahren, dass wir da ins Problem laufen.
Da kann man natürlich schon sagen, da ist einfach zu wenig passiert.
Und auch im Sinne von Schulqualität, das mit den abnehmenden Jahrgangsstärken, das wussten wir.
Das ist aber andererseits, kann man auch sagen, nicht so schlimm gekommen,
weil wir eben sehr viel Zuwanderung gerade junger Leute haben.
Also aus Syrien reden wir über die Zuwanderung junger Männer,
also in dem Alter, wo man Berufsausbildung und Studium macht.
Also da sind wir nicht ganz so, außerdem sind die Geburten wieder geschieden.
Also ich glaube schon, dass es zum Teil auch eine verfehlte Politik ist,
zum Teil aber natürlich auch durch Dinge verursacht ist,
die man nicht vorhersehen konnte.
Aber das Letztere erlaubt einem eben auch nicht. Jetzt haben wir die Situation
und die Frage ist, wie kommen wir aus der Situation heraus?
Okay, dankeschön. Ich habe jetzt keine Fragen mehr.
Möchte jemand noch einen Zettel in die Hand heben oder noch etwas fragen?
Oder gibt es noch eine abschließende Botschaft, die Sie, Frau Solga, uns mitgeben möchten?
Nein, ich glaube, ich habe jetzt auch zu viel gesprochen.
Meine Botschaft wäre einfach, wir haben ein tolles System der beruflichen Bildung.
Und wir müssen das einfach, ich glaube, auch flexibler gestalten.
Wir müssen das, was wir von Schulen erwarten, dass sie stärker individualisieren
und mit der Heterogenität der Schüler und Schülerinnen umgehen in ihrem Klassenraum.
Das müssen wir auch von der Berufsausbildung erwarten, dass es eben dann möglicherweise
doch unterschiedliche Ausbildungszeiten gibt, unterschiedliche Angebote, um den Stoff zu fassen.
Und das müssen wir auch von unseren Universitäten erwarten. Wir können nicht
erwarten, dass wir perfekt gelieferte junge Leute bekommen.
Und da müssen sich alle viel stärker darauf einstellen.
Ja, das ist doch ein gutes Schlusswort. Herzlichen Dank an Sie,
Frau Solga, für Ihren hochinteressanten Vortrag. Und an Sie alle fürs Zuhören.
Es waren 50 Leute dabei. das ist auch eine sehr schöne Zahl an Zuhörern und
zeigt, wie wichtig das Thema ist.
Damit ändert auch die zwölfteilige Serie Unlösbare Probleme,
zu der unsere Direktorinnen und Direktoren des WZB aus ihrer Forschung berechtet haben.
Eine beeindruckende Erfahrung für uns alle.
Wie immer können Sie sich die Aufnahme als Podcast herunterladen.
Den Link dazu finden Sie auf der Veranstaltungsseite des WZB unter Unlösbare Probleme.
Für heute erstmal Vielen Dank und eine schöne Adventszeit und auf bald am EZB.
Gleichfalls, meine Damen und Herren. Wiedersehen.